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Macht SOA ohne MDM Sinn?

Der Titel ist gewiß etwas reisserich – bringt die Kernfrage aber auf den Punkt. In etlichen Retrospektiven der SOA-Programme taucht immer wieder ein Problem auf. Wie gehen wir mit den grundlegenden Business Services um, die Daten und vor Allem Stammdaten betreffen? Zur Einstimmung auf die Herausforderung eine kurze Einleitung.

Ein wesentlicher Nutzen der SOA liegt in der losen Kopplung der IT-Komponenten. Hierdurch wird die Wiederverwendung der Komponenten forciert und die Flexibilität beim Einsatz dieser Komponenten zur Unterstützung neuer Funktionalitäten bzw. Prozessabläufe vereinfacht. Hierbei werden allgemeingültige Komponenten (bzw. Services) für die konsistente Datenpflege und Abfrage der Stammdaten benötigt. Es werden zwei unterschiedliche Sichten hierdurch unterstützt:

  • Wiederverwendbare Geschäftslogik zur Pflege und Validierung der Stammdaten (Stammdaten Business Services)
  • Wiederverwendbare Informationen zur Nutzung in den Geschäftsprozessen (Stammdaten Information Services)

Führt man imRahmeen der SOA eine Service-Dekomposition durch, erkennt man, dass im Rahmen der wiederverwendbaren Services auch Dienste benötigt werden, die servicedomänenübergreifend zentrale Aufgaben für die Verwaltung des Lebenszyklus der Stammdaten übernehmen. In diesem Zusammenhang wird man auf der Ebene der Datenzugriffe, auch unabhängig von einem Stammdatenvorgaben-Vorhaben, auf typische Schwierigkeiten bei der Verwaltung und Pflege der Stammdaten stoßen:

  • Probleme bei der einheitlichen Prüfung der Qualität der Stammdaten
  • Performanceprobleme bei der Propagierung der Daten in die Sub-Systeme
  • Herausforderungen beim Datenschutz und der Datensicherheit in Abhängigkeit vom Lebenszyklusstadium der Daten

Stammdaten Business Services

Der Zugriff auf Stammdatenobjekte wie Produkt, Kunde oder Geschäftspartner wird über alle Unternehmensbereiche und somit quer zu den Funktions- und Verwaltungsbereichen benötigt. Jan Werner Schemm (siehe auch „Zwischenbetriebliches Stammdatenmanagement“, Springer, 2009) meint hierzu, dass  „durch ihren hohen Wiederverwendungswert und die vergleichsweise einfache Standardisierung bildet der Zugriff auf Stammdatenobjekte ideale Servicekandidaten.“ Dieser Meinung sind auch die Masons oft SOA, die die Zugriffe auf Stammdatenobjekte als „Business Entity Services“ auffassen und aufzeigen, dass Stammdatenservices einen erheblichen Anteil der entwickelten Dienste in der SOA ausmachen. Hier zudem ist auch ein Trend erkennbar, der wiederum Schemm schön zusammenfasst: „Die zu beobachtende Bündelung von Stammdatenservices in eigenständigen Anwendungsdomänen nimmt die Entwicklung von Applikationsarchitekturen vorweg: Zukünftig werden zentrale Stammdatensysteme, die Dienste für den Zugriff auf globale Stammdatenobjekte anbieten, eine noch bedeutendere Rolle in den Anwendungsarchitekturen spielen“ .

Somit wird das Stammdatenmanagement ( MDM, Master Data Management) zu einen fundamentalem Baustein der SOA selbst. Mit Etablierung einer SOA im Unternehmen wird die Häufigkeit der Nutzung von zentralen Stammdatendiensten steigen und somit implizit die Wiederverwendung. Somit ist die Etablierung zentraler verwalteter Dienste für den Datenzugriff und deren Verarbeitung  ein sinnvoller nächster Schritt.

 

MDM Information Services

Bei der Service-Dekomposition entsteht die Notwendigkeit von zentralen Stammdaten-Services. Diese unterstützen den weiterführenden, eher strategischen Ansatz der Implementierung einer „Information-as-a-Service (IaaS)“.

Die grundlegende Idee ist recht einfach: Damit nicht jede Anwendung oder jeder Service selbst den Zugriff auf die Daten implementieren muss, wird eine Facade genutzt, die den Zugriff an das IaaS delegiert. Das könnte man sogar als eine Virtualisierung der Datenzugriffe sehen, da die Datenquellen nun transparent zu der aufrufenden Schicht sind. So erlangt man eine zentrale Kontrolle über die typischen CRUD-Operationen auf den benötigten Stammdaten. Die Kontrolle über die Validierungen ist nun gewährleistet und die Inkonsistenzen bei der Wartung der unterschiedlichen Anwendungen und Services wurden gelöst.

Verfolgt man diesem Ansatz im Rahmen der MDM, so können über technische bzw. organisatorische Maßnahmen die drei grundlegenden Herausforderungen durch den Ansatz „Information-as-a-Service (IaaS)“ bewältigt werden. Aus Sicht des Konsumenten bedeutet dies:

Definition: Die Bedeutung (Semantik) von Stammdaten und deren Attributen müssen einheitlich und konsistent implementiert sein. Hierzu gehören auch die Verfügbarkeit der Definition und die Eineindeutigkeit der selbigen Definition.

Qualität: Die Prüfung der Datenqualität kann jetzt auf einer „virtualisierten“ Plattform stattfinden, komplett transparent für den Consumer, der die Stammdaten verändern. Das Repository der IaaS sichert eine gemeinsame Semantik und ein Regelwerk für die Validierung. Auch dies verhindert Inkonsistenzen.

Governance: Der letzte Punkt ist nun das Management des Lebenszyklus der Services der IaaS. Dieses lässt sich sofort über die etablierten Governance-Ansätze für das Management von Services im SOA-Umfeld abdecken.

Zusammengefasst folge ich hieraus, dass eine SOA ohne MDM-Ansätze immer ein wenig zu kurz geraten wird und eine Unzufriedenheit bei der Nutzbarkeit (Datenqualität) der Stammdaten bestehen bleiben wird.

Die Empfehlung kann nur lauten: Im Rahmen der SOA auch das Thema Stammdatenmanagement behutsam anzugehen.

Ein kurzer Werbeblock in eigener Sache: Das Buch „Master Data Management: Strategie, Organisation, Architektur“ (http://www.dpunkt.de/buecher/3761/master-data-management.html) beschreibt, wie man zu einer abgestimmten Vision in seinem MDM-Vorhaben gelangt und wie man messbare Ziele entwickelt. Es werden Methoden und Vorgehensweisen beschrieben, damit schon bei der Planung des MDM-Vorhabens ein klares Bild über die notwendige Aufbau- und Ablauforganisation entsteht und das MDM-Vorhaben durch einen passenden Architekturentwurf unterstützt wird, sodass die meist mehrjährige Entwicklung zielgerichtet erfolgen kann. Letztlich beschreiben wir Ansätze zur Entwicklung einer Einführungsstrategie und Roadmap für MDM. Als Ergebnis ist ein fast 500-seitiges Handbuch zur Planung von MDM entstanden

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